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Der Traumhüter. Die unglaubliche Geschichte eines Torwarts. | |
![]() | von Ronald Reng EUR 8,95 Jetzt kaufen bei Amazon.de |
Lesermeinungen:
Ein Denkmal für den unbekannten Ersatzspieler
Ein fesselndes Buch über den ewigen Ersatztorhüter Lars Leese. Das Buch beantwortet die Frage, was im Kopf von einem der 50 % aller Fußballprofis vorgeht, die die meiste Zeit auf Bank oder Tribüne sitzen, trotzdem immer auf Abruf bereit stehen müssen. Leese hatte es als Torhüter trotz guter Ansätze besonders schwer. Der Sportjournalist Ronald Reng beschreibt dabei ausgezeichnet, wie es hinter den Kulissen von Fußballvereinen von der Kreisklasse bis in die Bundesliga zugeht - wie Transfers ablaufen, welche Macht Trainer besitzen, und wieviel Glück man zusätzlich zum Talent braucht, um Stammspieler im Profiklub. Obwohl Leese sicher in guten Zeiten auch seine 100 000 Mark im Jahr scheffelte, verlief seine Karriere sehr pessimistisch: Immer nah dran am Traum vom Starspieler, aber trotz allem nie wirklich drin im Profifußball. In sechs oder sieben Profijahren hat er vielleicht 25 Spiele gemacht (für einen Ersatzkeeper noch viel), und derzeit spielt er wieder da, wo er anfing: beim 1. FC Köln, aber (wieder nur?) bei den Amateuren. Reng ist bei aller fachlichen Kompetenz anzukreiden, dass sein Schreibstil manchmal hart am Erträglichen ist und lieber noch mal jemand hätte drüber schauen sollen. Weil aber Leeses Story sehr interessant ist und das Buch gut recherchiert, schmälert das nicht den Unterhaltungswert: 5 Sterne daher. Mit Hornbys überbewertetem Fever Pitch hat es übrigens nichts zu tun.
Mit Leidenschaft geschrieben
Dies ist keine Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichte. Denn so wie Lars Leese auf -tatsächlich unglaubliche – Weise den Aufstieg vom Freizeitsportler zum Profitorwart schafft, so rasch und hart ist auch wieder sein Abstieg. Eine große Stärke des Buches „Der Traumhüter“ von Ronald Reng ist, dass es auch diesen Abstieg ungeschönt darstellt. Man lacht und leidet mit Leese während der Lektüre, doch da das Buch verschiedene Perspektiven hat (Reng als Erzähler Nummer eins, Leese als Erzähler Nummer zwei), entsteht nie der Eindruck, hier wolle ein mittelmäßiger Torwart seine Biographie nur im besten Licht darstellen. Nein, „Der Traumhüter“ besticht durch Offenheit. Teilweise legt Leese selbst geradezu schonungslos sein Innenleben offen (und sogar sein Gehalt: 360000 Mark im Jahr bei seinem englischen Klub FC Barnsley. Nicht schlecht, was?!). In der amazon-Kurzbeschreibung wird „Der Traumhüter“ mit Nick Hornbys „Fever Pitch“ verglichen, der „Bibel“ als Fußball-Bücher. Das ist vielleicht etwas zu hochgegriffen. Aber niemand sollte es bereuen, den „Traumhüter“ zu lesen; ich habe ihn in zwei Tagen verschlungen. Er steckt voll von Anekdoten (meine liebste ist, wie Reiner Calmund, der Manager des Bundesligisten Bayer Leverkusen, mit Leese verhandelt), das Buch überrascht mit Einblicken in die Profiszene, wie ich sie sonst noch nirgendwo fand (das Kapitel über die Seele der Torhüter ist exzellent), es ist flott geschrieben, und vor allem: In jeder Zeile steckt die Leidenschaft und Liebe zum Fußball. Ein absolut gelungenes Buch.
